IMIS

Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien


Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Forschung

Die Forschung der Juniorprofessur „Migration und Integration der Russlanddeutschen“ ist in der historischen Migrationsforschung sowie der Kulturwissenschaft verortet.

Der Inhaber der Professur, Dr. Jannis Panagiotidis, hat mit seiner vergleichenden Dissertation zur Geschichte der ko-ethnischen Immigrationsregime der Bundesrepublik Deutschland und Israels sowie einer Reihe angeschlossener Publikationsprojekte zu Namensänderungen russlanddeutscher Spätaussiedler, zu jüdischen Aussiedlern in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren sowie zur ko-ethnischen Einwanderungspolitik der DDR das Thema der Aussiedlermigration erstmals für die historische Forschung erschlossen. Die Juniorprofessur vertieft dieses neue transnationale Forschungsfeld epochen- und regionenübergreifend in transnationaler, globaler und verflechtungsgeschichtlicher Perspektive.

Dem Konzept des Migrationsregimes als Interaktion migrantischen Handelns und staatlich gesetzter Regulierung kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Die vielfältigen Migrationen der Russlanddeutschen seit dem 18. Jahrhundert waren geprägt durch verschiedene, auf Anwerbung und Privilegien oder Zwang und Restriktion basierende nationale, internationale und transkontinentale Migrationsregime. Nicht zuletzt im Kontext der durch ethnische Privilegierung und aktive staatliche Integrationspolitik charakterisierten (Spät-)Aussiedlermigration der Nachkriegsjahrzehnte kommt der staatlichen Rahmung des Migrationsprozesses eine besondere Bedeutung zu, deren Erforschung sich die Juniorprofessur im Anschluss an den IMIS-Forschungsschwerpunkt zu Migrationsregimen widmet.

In ihrem Dissertationsprojekt untersucht Anna Flack Russlanddeutsche im westsibirischen Barnaul. Trotz des Massenexodus nach 1987 haben nicht alle Russlanddeutschen die Sowjetunion bzw. die Russische Föderation verlassen. Bei der Volkszählung 2010 gaben 394.138 russische Staatsbürger eine deutsche Nationalität an. Anhand einzelner Fallbeispiele soll nachvollzogen werden, inwiefern mittels der kulturellen Alltagspraktik Ernährung bei den Russlanddeutschen in Barnaul eine Identifikation als Ethnie erfolgt. Gibt es eine russlanddeutsche Ethnizität? Wenn ja, wie wirkt sie sich im Alltag aus? Wenn nein, welche Faktoren dominieren die Identitätsbildung? Welche Rolle spielen transnationale Netzwerke für die Ernährungsweise? Diese und weitere Fragen sollen in der empirischen Studie beantwortet werden.